Bei welchen Krankheitsbildern kann die Proliferationstherapie helfen?
- bei allen degenerativen Wirbelsäulenleiden
- bei allen degenerativen Gelenksarthrosen
- bei Schmerzen infolge von Haltungsschäden
- bei Schmerzen, die durch wiederkehrende Blockierungen an der Wirbelsäule auftreten (klassisch ist der Hexenschuss – er weist auf mögliche Instabilität hin)
- bei Rückenschmerzen mit Ausstrahlungen in den/die Arm(e) (Einschlafen der Finger und Arme, nächtliche oder haltungsbedingte Missempfindungen, z.B. Schmerzen nach vornüber gebeugtem Zähneputzen)
- bei Arthrosen in Schulter, Knie, Sprunggelenke, Mittelfuß, Hand- und Daumengelenke (je früher mit der Therapie begonnen wird, um so besser die Erfolge)
- bei Arthrosen der kleinen Wirbelkörpergelenke und des Kreuzdarmbeingelenkes
Was genau ist das die Proliferationstherapie?
Sie ist ein erfolgreiches Injektionsverfahren, das in den USA entwickelt wurde. Dabei wird mit hoher Präzision direkt an verletzte oder degenerative Bänder, Gelenkkapseln oder Sehnen gespritzt wird. Dieser Reiz löst ein Wachstum von Kollagen Typ I aus, also der Hauptsubstanz der Band- und Gelenkregeneration. Das Ziel der Injektion ist es, so die Struktur zu stärken und damit die jeweilige Funktion wieder zu verbessern.
Kann die Proliferationstherapie auch bei Schmerzen helfen, die schon über Jahrzehnte bestehen?
Die Proliferationstherapie ist ein erfolgreiches Therapieverfahren für akute und chronische Schmerzzustände, deren Ursache in den Gelenken liegt. Bestehen die Schmerzen bereits seit Jahrzehnten, wird häufig keine Schmerzfreiheit, jedoch meist eine wesentliche Erleichterung erreicht.
Welche Erfolgsrate hat die Therapie?
Bei meiner Injektionstechnik können mindestens 80 % der Patienten mit einer deutlichen Schmerzabnahme bis Schmerzfreiheit rechnen. Das Ergebnis hängt auch von der Schwere des Befundes ab.
Nach der ersten Injektion reduziert sich der Schmerz bei den meisten Patienten um 20 bis 40 Prozent. Das ist oft schon nach zwei Tagen zu spüren. Nach jeder weiteren Injektion geht der Schmerz durchschnittlich nochmals um 10 bis 30 Prozent zurück.
Was kostet diese Therapie?
Die Therapie umfasst immer eine aufwändige neurologische und körperliche Untersuchung vor jeder Injektion, um die richtige Dosis und Lokalisation festlegen zu können und um keine Kontraindikationen zu übersehen. Zusammen mit der Injektion liegen die Kosten je nach Aufwand und Zentrum in den USA pro Sitzung zwischen 200 und 500 $. Bei uns ist das günstiger: zwischen 80 und 250 Euro – je nach Schwierigkeitsgrad der Injektion.
Die gesetzlichen Kassen übernehmen die Kosten leider noch nicht. Einige weitsichtige privaten Versicherungsgesellschaften dagegen sind bereit, die entstehenden Kosten vollständig zu übernehmen. Am besten besprechen Sie es im Vorfeld mit Ihrer Krankenkasse – im Zweifelsfall mit Ihrer eigenen Geldbörse.
Wie häufig muss gespritzt werden?
Das hängt immer davon ab, wie lange und wie ausgeprägt das Gelenkproblem ist. An der Wirbelsäule und den großen Gelenken sind meist vier bis sechs Injektionen erforderlich. Bei kleineren Gelenken an Hand und Fuß reichen meist drei bis vier Injektionen.
Die optimale Pause zwischen zwei Injektionen beträgt ein bis drei Wochen, kann aber auch länger sein.
Wie oft kann die Therapie wiederholt werden?
Im Prinzip beliebig oft. Sinnvollerweise wird man die Behandlung aber nur so lange fortsetzen, wie nach jeder Injektion mindestens 10–20% der Schmerzen verschwinden.
Je älter der Patient ist, desto weniger Schmerzreduktion ist pro Injektion zu erwarten: bei über 70-Jährigen z. B. pro Injektion 5–10%. Das liegt an der nachlassenden Regenerationsfähigkeit der Strukturen. Aber was im ersten Augenblick enttäuschend klingt, kann für jahrelang stark Schmerzgeplagte einen unglaublichen Gewinn an Lebensqualität bedeuten.
Welche Substanzen werden gespritzt?
In meiner Ambulanz wird fast ausschließlich mit 20–24%iger Glukose (Traubenzuckerlösung) gespritzt. Andere gängige Substanzen haben unserer Ansicht nach keinen Vorteil, im Gegenteil: Sie haben oft mehr Nebenwirkungen.
Wie gefährlich ist die Injektion?
Bei perfekter Injektionstechnik und angesichts der harmlosen Substanz (Traubenzuckerlösung) gibt es keinerlei Gefahren. Die perfekte Technik erfordert allerdings eine ausgezeichnete Ausbildung und die entsprechende Erfahrung. Bei unpräziser Injektion besteht die Gefahr, dass Nerven oder gar das Rückenmark getroffen werden. Das führt zu schmerzhaften Reizzuständen, die bis zu sechs Wochen andauern können.
Ein kurzer schmerzhafter Reizzustand an der Stichstelle ist dagegen Teil der Therapie und damit unvermeidlich. Der Schmerz klingt aber nach ein bis zwei Tagen ab.
